Eiche und B23

KN-Online
vom 27. Februar 2020

Zwei gefällte Buchen am Gasthof zur Eiche sorgen für Aufregung in Dänischenhagen. Die beiden stattlichen Bäume sind am Mittwoch abgesägt worden. Schnell stellte sich heraus, dass dafür keine Genehmigung vorlag. Die Baugesellschaft Strande als Eigentümer will an der Stelle Doppelhäuser errichten.

Von Tilmann Post

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Dänischenhagen. „Wir haben es versäumt, eine Fällgenehmigung zu beantragen. Das muss ich zugeben“, sagte Detlev Koch, technischer Leiter der Baugesellschaft Strande, am Donnerstag auf Nachfrage. Er verwies darauf, dass die Gemeinde Dänischenhagen keine Baumschutzsatzung erlassen habe.

„Wir haben nicht gewusst, dass für Bäume einer bestimmten Größe zusätzliche Genehmigungen nötig sind“, so Koch. „Die Bäume standen auf einem zukünftigen Baugrundstück, für das wir eine gültige Bauvoranfrage haben. Die Fällgenehmigung hätten wir also sicher bekommen“, sagte der technische Leiter.

Die Baugesellschaft Strande hatte das 4000 Quadratmeter große Areal an der Mühlenstraße 1 im Frühjahr 2019 gekauft. Der denkmalgeschützte Gasthof sollte weiterverkauft werden.

Einfamilien- und Doppelhäuser in Dänischenhagen geplant

Das freie Gelände südöstlich davon haben Geschäftsführer Thomas Koch und sein Bruder Detlev Koch in acht Einzelgrundstücke aufgeteilt, um Einfamilien- und Doppelhäuser darauf zu bauen. Deshalb mussten die beiden großen Buchen nun weichen. Sie standen auf dem Grundstück zur Straße hin.

„Unvorstellbar – an der Mühlenstraße stand eine wunderschöne, gesunde Rotbuche, die war bestimmt 100 Jahre alt“, sagte Thomas Waldeck (WIR), erster stellvertretender Bürgermeister, zu Kochs illegaler Fällaktion. „Das ist traurig, wir waren gerade auf einem ordentlichen Weg, miteinander zu sprechen“, so Waldeck über das Verhältnis zum Bauträger.

Aus Waldecks Sicht wäre es sicher möglich gewesen, zumindest den vorderen Baum zu erhalten. Die WIR-Fraktion war ohnehin nicht von den Plänen der Baugesellschaft überzeugt. „Wir hatten vorgeschlagen, dass die Gemeinde aus dem Gasthof ein Bürgerhaus macht“, so Waldeck.

Ordnungsrechtliches Verfahren gegen Baugesellschaft Strande

Die versehentlich illegalen Baumfällungen täten ihm leid, so Detlev Koch. Das Unternehmen sei bereit, Ersatzpflanzungen zu leisten und ein Ordnungsgeld zu zahlen, wenn das nötig sei.

Darauf wird es wohl auch hinauslaufen. „Seitens der unteren Naturschutzbehörde wird ein ordnungsrechtliches Verfahren gegen den Grundstückseigentümer eingeleitet“, sagte Michael Wittl, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis Rendsburg-Eckernförde.

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Er bestätigte, dass eine Bauvoranfrage vorliegt. Das sei aber „keine Genehmigung, schon gar nicht für das Fällen von Bäumen“.

Bundesnaturschutzgesetz sieht hohe Strafen vor

Zudem hatte die Baugesellschaft Strande in der Voranfrage offenbar nie auf die Buchen hingewiesen. Bäume seien zumindest nicht Prüfungsumfang in der Bauvoranfrage gewesen, teilten Wittl und seine Kollegin Britta Siefken von der Bauaufsicht des Kreises auf Nachfrage mit.

„Das Fällen von Bäumen mit einem Umfang über zwei Meter in einem Meter Höhe ist genehmigungspflichtig. Ein entsprechender Antrag ist bei der unteren Naturschutzbehörde des Kreises zu stellen“, so Michael Wittl, und zwar vom Grundstückseigentümer.

„Darüber hinaus können Bäume dieser Größe auch ortsbildprägend und im B-Plan zum Erhalt festgesetzt sein.“ Verstöße dagegen können nach dem Bundesnaturschutzgesetz „mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden“, so Wittl.

Hochbau neben dem Gasthof zur Eiche in Dänischenhagen ab Mai 2020

Zudem werden Ersatzpflanzungen angeordnet. Auch vom Eigentümer mit der Fällung beauftragte Lohnunternehmen können belangt werden.

Die Ermittlungen gegen die Baugesellschaft Strande werden das Bauvorhaben am Gasthof laut Britta Siefken nicht verzögern. Das Unternehmen tritt als Bauträger auf und habe sieben der acht Grundstücke mit Einfamilien- und Doppelhäusern bereits verkauft, so Detlev Koch.

Der Hochbau soll im Mai beginnen. Nur ein Baufeld werde derzeit neu vermessen, weil noch ein Blockheizkraftwerk errichtet werden soll.

Um den Gasthof selbst werde noch mit einem Investor verhandelt. Eine Nutzungsänderung, um darin fünf bis sechs Wohnungen einzurichten, sei erteilt. „Alles nach Maßgabe der Denkmalschutzbehörden“, so Detlev Koch.

 

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